Ein bisschen Philosophie für mehr Gelassenheit und Frieden

Einer der Wege, um den Zustand von Yoga, also den der Einheit, zu erreichen ist das Studium der traditionellen Yogaschriften. Das klingt erstmal so wie damals, als ich das Alte und Neue Testament lesen sollte. Keine Lust, trockenes Zeug, bitte gebt mir Bücher, in denen ich mitlieben und leiden kann! Warum sind gerade in der deutschen Sprache, die doch so wunderschöne sein kann wie in Hesse´s Siddharta, philosophische Texte oft trocken und spröde? Warum habe ich nie mit Herz und Kopf verstanden, was mir die Texte sagen können?

…und dann kam Yoga in mein Leben….und mit den Asanas auf der Matte der Zugang zur reichen und bunten Philosophie. Durch die lebendige, lustige und kluge Erzählweise von Dr. Douglas Brooks bekam Krishna das Gesicht von Keanu Reeves in Matrix, andere Götter bedienten sich klassisch bei Robert DeNiro´s talk-to-my-hand -Moment, um Anschuldigungen abzuwehren. Überhaupt, was für eine Gnade: alle über 3 Millionen Götter der indischen Mythologie sind fehlhaft! So wie ich auch.

Aber zurück zur Philopsophie, genauer gesagt zu Patanjalis Yogasutren: ich hätte diese schon während meiner ersten Ausbildung zur Yogalehrerin studieren sollen. Chancenlos, da damals  in einer strengen deutschen Übersetzung und für mich unverständlich interpretiert. Erst nach über einem Jahrzehnt des trotzigen Vermeidens verstehe ich dank meiner großartigen Lehrer ein bisschen etwas und kann es in meinen Alltag integrieren.

Ein Sutra des Gelehrten Patanjalis berührt und bewegt mich besonders – nachdem ich es laut zitiert und aus Sichtweise des Non-dualistischen Shiva-Shakti-Trantrismus (okay, das ist jetzt wirklich ein Ausdruck für Nerds. Oder für Angeber.) interpretiert gehört habe:

Sutra #1.33: maitri-karuna-mudita-upeksanam sukha-dukha-punya-apunya-visayanam bhavanatas citta-prasadanam

 

Ein gelassener und friedlicher Verstand und ein gelassenes und friedliches Herz entstehen (bhavanatah citta-prasadanam)

wenn

wir freundlich (maitri) zu den Glücklichen sind (sukha)

wir voller Mitgefühl (karuna) sind für die, die leiden (duhkha)

wir erfreut sind (mudita) über die Tugenden und Talente anderer (punya)

und wenn wir uns freimachen von denen (upeksa), die Leiden verursachen (apunya).

 

Eine Menge zu tun… Erster Schritt: Selbstbeobachtung. Wir können uns nicht unbedingt aussuchen, mit wem wir unsere Zeit verbringen. Wir können aber erkennen, wer uns gut tut und die Gesellschaft derer suchen, die uns inspirieren. Es mag nicht leicht sein, sich für die Gustav Gans-Typen in unserer Nähe zu freuen, wenn wir selbst um vieles kämpfen müssen und nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Aber es ändert etwas, wenn wir reinen Herzens und klaren Verstandes das Glück oder Unglück anderer ganz pur wahrnehmen und ohne Berechnung und alte Muster unsere Haltung zeigen. Neid, Missgunst, Schadenfreude hinterlassen gern einen schalen Geschmack, der sich wie ein glibberiger Schleim über unser klares Bewusstsein legt. Je öfter wir uns daran erinnern, warum wir so reagieren, umso öfter können wir ins Agieren gehen. In dem Raum, den wir uns durch einen Moment des Beobachtens und der Reflektion geschenkt haben, kann etwas Positives wachsen. Frieden. Gelassenheit.

Lasst es uns versuchen.